Hat der Kfz-Handel Zukunftschancen? KommR Ing. Josef Schirak vom Bundesgremium des Fahrzeughandels beantwortet diese Frage angesichts der Prognosen punkto Mobilitätsbedarf mit einem eindeutigen „Ja!“ Per Ende 2011 wurden realistischen Schätzungen zufolge weltweit rund 65 Mio. Fahrzeuge verkauft, fünf Jahre später sollen es bereits 80 Mio. Fahrzeuge sein und Optimisten prognostizieren für das Jahr 2030 sogar 150 Mio. Neufahrzeuge. Dieses Szenario bedeutet klarerweise Zuversicht für Hersteller, Vertrieb und nachgelagerte Bereiche wie Ersatzteilversorgung und Reparatur.
In Österreich bestätigt sich die positive Zukunftserwartung laut Schirak durch einen derzeitigen Gesamt-Kfz-Bestand von rund 6,3 Mio. Fahrzeugen, darunter etwa 4,5 Mio. Pkw und Kombi. Bei einer angenommenen Nutzungsdauer von durchschnittlich 12 Jahren errechnet Schirak einen Nachholbedarf von ca. 8,5 Prozent pro Jahr. In Zahlen ausgedrückt sind das etwa 380.000 Fahrzeuge, wovon wir mit dem letztjährigen Rekordergebnis von gut 356.000 Pkw-Neuzulassungen noch immer ein Stück entfernt liegen, wenngleich der Trend in diese Richtung zeigt, sagt Schirak.
Vor allem könnten seiner Meinung nach all diese prognostizierten Absatzziffern einen Beschleunigungseffekt erfahren, wenn heute schon erkennbare, revolutionäre Neuheiten im Bereich der Motor- und Antriebstechnologie (Elektroantrieb, Hybrid etc.) oder auch im Bereich der passiven und aktiven Sicherheit sowie durch Verkehrsleitsysteme zum Tragen kommen. Das Tempo werden hier gewiss auch verschärfte Umweltauflagen und Fahrzeuge mit minimiertem Schadstoffausstoß vorgeben. Hinsichtlich Vermarktung zeichnet sich schon jetzt ab, dass diese auf mehreren Ebenen bzw. im Zusammenwirken mehrerer Ebenen ablaufen wird, rechnet Schirak nicht nur mit steigenden Hersteller-Direktverkäufen, sondern ebenso dem verstärkten Auftreten sogenannter „Multi-Verkäufer“ (bezogen auf die Markenvielfalt).
Entscheidend für den Fahrzeughandel bleiben neben all diesen Prognosen vor allem Wirtschaftlichkeit und Rentabilität, mahnt Schirak, mehr ertrags- als stückzahlorientiert zu denken: „Auf der Planrechnung sollte ein unternehmerisch zufriedenstellender Wert in einer Größenordnung von mindestens 3 Prozent des Umsatzes stehen.“
Laut KMU Forschung Austria sei die Kfz-Wirtschaft hier wieder in eine positive Richtung unterwegs. Lag das EGT der Kfz-Betriebe 2008/09 noch bei 0,5 Prozent der Betriebsleistung, so verdoppelte sich dieser Wert 2009/10 auf 1 Prozent (Kfz-Reparatur 1,5 Prozent, Kfz-Handel 0,8 Prozent). Positive Tendenzen stellte die KMU Forschung Austria auch bei der Eigenkapitalausstattung fest. 13 Prozent der Kfz-Einzelhändler zählen auch zu den Outperformern, wobei auffällt, dass sich Outperformer deutlich investitionsfreudiger zeigen (2,3 Prozent Investitionsquote 2009/10) als der Durchschnitt aller Unternehmen (0,9 Prozent Investitionsquote).
Blick auf Ertragslage und Kundenorientierung entscheidend
Für eine nachhaltige Stärkung der Marktposition bedürfe es neben der soliden Finanz- und Ertragsbasis sowie einer kritischen Beleuchtung des Rabatt(un)wesens — 1 Prozentpunkt Rabatt mehr schlägt sich laut KMU Forschung Austria mit einem Minus von 0,5-Prozentpunkten im EGT zu Buche — vor allem auch einer wahrnehmbaren Kundenorientierung der Mitarbeiter sowie der Führung im Kfz-Betrieb, betonen Schirak und Oberwallner unisono.