Am Dienstag, 24. April eröffnet CROSSING EUROPE mit vier herausragenden Filmen, die traditionsgemäß einen repräsentativen Querschnitt durch das Festivalprogramm liefern und einmal mehr den Facettenreichtum des europäischen Filmschaffens unterstreichen. Zwei dieser hochkarätigen Eröffnungsfilme stehen schon fest, die beiden anderen werden Mitte März bekanntgegeben.
Ein zentraler Eröffnungsfilm ist SIX MILLION AND ONE (IL/DE/AT 2011; R: David Fisher; Weltvertrieb: Cinephil-Distribution & Co Productions Tel Aviv; unterstützt von ZukunftsFonds der Republik Österreich, Kulturland Oberösterreich, Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus), der den neuen Ursulinensaal als Festivalspielstätte im mit März eröffneten OÖ Kulturquartier einweiht. Europapremiere
feierte der Dokumentarfilm mit Bezug zur oberösterreichischen Zeitgeschichte beim Int. Documentary Film Festival Amsterdam; mit der Aufführung in Linz wird er erstmals in Österreich zu sehen sein. Den Stationen der väterlichen KZ-Haft in Oberösterreich folgend, nimmt Regisseur David Fisher seine Geschwister mit auf eine Reise nach Österreich (Mauthausen, Gusen und Gunskirchen) und in die USA. Gemeinsam spüren sie der Vergangenheit des Vaters nach, dabei kommt Unausgesprochenes und Unausprechliches zu Tage. Witzig und sehr persönlich gehalten ist SIX MILLION AND ONE kein „typischer“ Film über den Holocaust.
// In Anwesenheit von: David Fisher (Regie & Produktion), Estee Fisher-Heim, Gideon Fisher und Ronel Fisher //
Auch im zweiten Filmbeitrag der Eröffnung manifestiert sich der
Festivalgedanke, da CRULIC - THE PATH TO BEYOND (RO/PL 2011; R: Anca
Damian; Weltvertrieb: Wide Management) als sogenannte Animated
Documentary geradezu meisterhaft die Darstellung gesellschaftspolitisch brisanter Themen mit künstlerischem Gestaltungswillen verbindet. Dieser
außergewöhnliche Animationsfilm erzählt die wahre Geschichte vom Rumänen
Claudiu Crulic, der 2007 in Polen unschuldig inhaftiert wird. Aus
Protest tritt er in Hungerstreik, doch sein Appell an die Behörden
bleibt ungehört. Fehlgeleitete Bürokratie und ein undurchsichtiger
Staatsapparat sind schuld am schockierenden Ende eines Menschen, von
Anca Damian in eindringlichen Bildern inszeniert.
CRULIC – THE PATH TO BEYOND, ebenfalls eine Österreichpremiere, ist der dritte Langfilm der rumänischen Regisseurin Anca Damian, der auch das diesjährige TRIBUTE – mit drei Langfilmen und einem Kurzfilm – gewidmet ist. Gleichzeitig ist der bereits auf zahlreichen internationalen Festivals erfolgreich gelaufene und prämierte Film auch Teil des neuen, heuer zum ersten Mal präsentierten Schwerpunkts zum europäischen Animationsfilm, der den Titel „IT’S ANIMATED!“ trägt. Dieses Programmspecial (kuratiert von Wiktoria Pelzer) umfasst drei Langfilme und zwei Kurzfilmprogramme und zeigt auf, welches Potential Animationsfilm für die Umsetzung und Darstellung von Realität bietet, und damit auch die Möglichkeiten von Dokumentation erweitert. Zwei „Genres“ stehen dabei im Vordergrund: „Animated Documentaries“ (kurz „AniDoc“) und andererseits „Animated Realities“. Die Techniken sind in beiden Genres völlig unterschiedlich und reichen von Zeichenanimation, über Legetrick bis hin zur Rotoskopie.
// In Anwesenheit von: Anca Damian (Regie) //