Das Tourneetheater theater tabor gastiert wieder mit einem Abendstück im Linzer Cafetheater Maestro. In der vom Tänzer und Choreographen Iassen Stoyanov gegründeten Ballettschule mit eigenem Theater wird an zwei Abenden Franz Kafkas Erzählung Die Verwandlung zur Aufführung gebracht.
Der Protagonist Gregor Samsa findet sich eines Morgens in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Diese groteske Situation wird von Kafka sachlich, beinahe emotionslos beschrieben und bildet einen starken Kontrast zur Unfassbarkeit des Inhalts.
So transportiert Regisseur Anatoli Gluchov Gefühle nicht in erster Linie über die Sprache, er lässt seine Schauspieler auch singen, tanzen und musizieren und auf einer körperlichen Ebene all das ausdrücken, was lange ungesagt bleibt.
Den Mittelpunkt der Bühne bildet Gregors Zimmer, das für ihn Käfig und Zufluchtsort zugleich ist, eine Barriere zwischen ihm und seiner Familie, ihn aber auch vor den Angriffen des Vaters schützt. Das Zusammenleben mit Gregor, dem nach und nach alles Menschliche abgesprochen worden ist, wird als unerträglich empfunden. So ist es die fürsorgliche Schwester, die mit den Worten “Weg muss es“ als erste den Wunsch ausspricht, das Ungeziefer loszuwerden, in dem sie nicht länger ihren Bruder sehen will.
theater tabor war mit dieser Produktion beim Internationalen Theaterfestival Golden Lion in Lemberg, Ukraine, im Oktober 2010, sowie bei den Heidelberger Theatertagen 2011.