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Großes Sportspektakel

/ 01:00
Autor: KW
 

Über 140.000 Zuschauer, mehrere Millionen Euro Wertschöpfung

 
Die Jänner-Rallye 2012 hat sich vom ursprünglich kleinen, regionalen Motorsport-Highlight vor fast 30 Jahren zu Österreichs größtem Sportereignis gewandelt: Heuer – so die Fachleute – sollen weit über 140.000 Fans an den zwei Wertungstagen das Land rund um die Bezirkshauptstadt Freistadt überschwemmt haben.
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Feierstunde also nicht nur für die PS-Fans aus vielen Ländern, sondern auch ein, für Sportereignisse, außergewöhnliches Ergebnis aus wirtschaftlicher Sicht: Denn mit anfänglich geschätzten 4 Mio. Euro Wertschöpfung schlagen die zwei Rallye-Tage alles bisher Dagewesene zwischen Boden- & Neusiedlersee. Aber auch aus der Sicht des Sports gab es Momente, die an diesem Wochenende im eher spärlich verschneiten Mühlviertel für Krimispannung und pure Dauerdramatik sorgten: Denn erstmals mit dem Prädikat „Europameisterschaft“ geadelt, blieb auch das Geschehen während der beiden Rallyetage auf dem, mit 18 tückischen Sonderprüfungen gespickten, Parcours „teuflisch tückisch“ (Stig Blomqvist). Die Folge: Ein „Wechselspiel“ im Gesamtklassement auch bei den Superstars, egal ob sich diese nun in der Reifenwahl geirrt hatten oder die jeweiligen Herausforderungen des stets wechselnden Geländes unterschätzt hatten. Denn die Bedingungen auf den insgesamt 237 km dauernden Prüfungen waren so wechselhaft, dass man sich nie auf „Eis“, „Schlamm“, „Asphalt“ oder „Schotter“ einstellen konnte. Die Jänner-Rallye jüngsten Datums wurde so zu einem erwarteten Spektakel, weil auch Profis im Skoda-Werksteam nicht nur ab und an ihr Können überschätzten, sondern sich auch beim „Gummi“ irrten. Wie wahrscheinlich auch der Großteil der 99 gestarteten Wagemutigen, bei denen – wieder einmal und ebenso wie bereits im Vorjahr – die „local heroes“ stark aufzeigen konnten. Leute also, die rund um Freistadt, Liebenau, St. Leonhard, St. Oswald, Pregarten, Pierbach, Gutau, Königswiesen oder Unterweißenbach jeden Stein zu kennen schienen und anfänglich auch toll im Vorderfeld mitmischten.

Im Kreise der Teams aus 12 Nationen galt es für die Fans natürlich den heimischen Primgeigern die Daumen zu drücken: Umso mehr, als aufgrund der int. Sportgesetze einer der alpenländischen Lieblinge nicht im Kreise der Top-Heroes starten durfte, sondern erst „in der 2. Hälfte des Feldes“. Das hieß für das Heer der Fans: Warten, warten, warten! Zumindest auf Manfred Stohl, weil unser ehemaliger World Champion mit Erdgas „bedüst“ war, und dieses „Antriebsmittel“ sah bisher die FIA nicht würdig genug, mitten im Kreise der Primgeiger angasen zu dürfen. Somit galt es für die Fans im Topfeld der „Überdrüber-Könner“ vornehmlich entweder für Raimund „Mundl“ Baumschlager oder für Beppo Harrach zu hoffen und zu beten. Denn die Konkurrenz war mit Leuten wie Jan Kopecky, Juho Hänninen, Vaclav Pech, Pavel Valousek, Jaroslav Orsak, Marin Semerad oder Michal Solowow so gewaltig, wie zuletzt in den 60er Jahren, als Austria noch seine, zur WM zählende, „Alpenfahrt“ zelebrierte.
 
Im Hinblick auf die Tatsache, dass es dem Veranstalter MSC Mühlviertel gelungen war, das Prädikat „EM“ zu verwalten, galt es ja noch erstmals in diesem Jahr auch Punkte für die österreichische, wie auch die tschechische Meisterschaft zu hamstern. Bevor wir also hinsichtlich des heimischen „Gerangels“ in die Tiefe gehen, noch schnell ein Gesamtergebnis, bei dem natürlich die „Fremden“ den Ton angaben, wiewohl – und vor allem am ersten Fahrtag – unser „Heiliger Mundl“ ganz kräftig mit den Ton angab, als er zunächst die "Götter" vom Schlage eines Hänninen, Kopecky, Pech oder des Multimillionärs Solowow schlecht aussehen ließ.

Im rein österreichischen Duell ging es um den imaginären Titel „Wer ist der Platzhirsch?“ Und Baumschlager, der den Großteil der Rallye als das heimische Highlight abspulte, verlor erst auf der allerletzten SP seine Führung um den lächerlichen Bruchteil von schlappen zwei Zehntelsekunden gegen Österreichs neuen Champion, Beppo Harrach.

Juho Hänninen schrieb sich gleich sieben Mal ins SP-Bestzeiten-Buch, Mandi Stohl, Daniel Behalek, Pavel Valosek, Jan Kopecky je zweimal und Harrach, Baumschlager, sowie Solowow je einmal.

Klar, dass die „Austros“ im Mühlviertel völlig im Schatten der Super-Cracks standen, wiewohl es gilt, auch da den einen oder anderen Kapazundi zu würdigen: Wie Hannes Danzinger, der erstmals im Cockpit eines VW Scirocco TDI seine Klasse beherrschte. Oder den Winner der Gruppe H, Lokalmatador Martin Fischerlehner (E V), der den Neuling Simon Wagner – zuvor ein aufstrebendes Kart-Talent – und Severin Katzensteiner auf Distanz hielt. Und bei den Historischen hatte unser LeMans-Mann Richard Lietz mit dem Escort RS 2000 die Nase vorne.

Wie immer blieben auch ein paar Lieblinge auf der Strecke: Andi Aigner, Lokalmatador David Glachs, Hermann Neubauer, Klemens Hainghartner, Michi Kogler und Patrick Winter zum Beispiel.

Fazit: Österreichs Motorsport-Auftakt kann höchstens durch einen Formel-1-GP getoppt werden, sonst ist die Jänner die Krone der alpenländischen Sport-Szene.


Claus-Peter Pozdnik
 
 

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